Zertifikatsstudiengänge: Literaturpädagogik, ISOLDE (Inklusion, Spiel & digitale Medien)

Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke

Das Zertifikat Literaturpädagogik

Leseförderung ist eine Qualifikation, die in Bildungskontexten von der Frühen Bildung bis zur gymnasialen Bildung bis in die Oberstufe und auch in Berufsschulen besondere Aufmerksamkeit verdient. Denn auch in Zeiten digitaler Produktions- und Rezeptionskontexte bleibt die Fähigkeit, Texte zu entschlüsseln und literarische Kompetenz gleichermaßen wie literarischen Genuss zu entwickeln, zentral für die Teilhabe an unserer Gesellschaft. Mit den PISA-Studien hat seit 2000 dieser Bildungsbereich an Aufmerksamkeit deutlich dazu gewonnen. Kitas, Ganztagseinrichtungen und Schulen schärfen hier ihre Profile. Das erfordert Fachpersonal, das diesen Aufgaben gerecht werden kann. In der mediatisierten Gesellschaft muss dies Hand in Hand mit einer modernen, digital kompetenten Medienpraxis geschehen, denn in diesem Handlungsfeld bewegen sich junge Menschen - nicht immer in allen Bereichen kompetent, aber auf jeden Fall selbstverständlich als Teil ihrer Lebenswelt und Gleichaltrigengruppe. Inhaltlich lassen sich jedoch hier von frühester Kindheit an Bildungsunterschiede feststellen. Sie können nur durch kompetente Arbeit in öffentlichen Bildungseinrichtungen nachhaltig und zuverlässig behoben werden. Deshalb ist Literaturpädagogik im mediatisierten Kontext Schwerpunkt meiner Forschung und Lehre. Das Zertifikat Literaturpädagogik soll Studierende besonders auf die Anforderungen differenzierter Förderung vorbereiten. Allerdings geht es hier nicht in erster Linie um die Schulung der Lesefähigkeit, sondern um die Entwicklung literarischer Orientierung. Freude an Geschichten, Freude am Erzählen sind zunächst wichtiger als die Freude an geschriebenen Texten. Eine gute Geschichte kann man auch hören oder sehen - aber sie ist anders als eine schlechte Geschichte. Und es gibt auch viele geschriebene Geschichten, die für die Förderung der literarischen Kompetenz und Genussfähigkeit wenig geeignet sind. Das Trägermedium von Geschichten ist also zunächst sekundär. Wichtig ist auch, zu erkennen, dass jeder Mensch anders ist. Deshalb soll in der Literaturpädagogik versucht werden, jeden vor dem Hintergrund der je eigenen Möglichkeiten und Interessen an Literarisches heranzuführen.

 

Das Zertifikat Literaturpädagogik ist ein Angebot an Studierende der TU Dortmund mit dem Fach Deutsch – sowohl aus den Lehramtsstudiengängen als auch aus dem Bereich der Angewandten Kulturwissenschaften. Es qualifiziert für Leseförderaktivitäten in schulischen und außerschulischen Institutionen. Es beinhaltet die Qualifikation Literaturpädagogik des Bundesverbandes Leseförderunge.V. und ist von diesem in vollem Umfang anerkannt.

 

Dazu werden im Studium zusätzlich bestimmte Fachinhalte fokussiert, die eine vertiefte Kenntnis inhaltlicher Aspekte kinder- und jugendliterarischer Texte und ihrer Anwendung in Fördersituationen ebenso vermitteln wie die Planung und Durchführung organisatorischer Aktivitäten. Nähere Informationen erhalten Sie über die Homepage des Instituts für Neuere Deutsche Sprache und Literatur der TU Dortmund. Geben Sie als Suchbegriff im Suchfeld das Stichwort "Zertifikat Literaturpädagogik" ein.

(http://www.studiger.tu-dortmund.de/index.php?title=Informationen_zum_Zusatzzertifikat_Literaturpädagogik)

 

Die Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft/ Elementare Vermittlungs- und Aneignungsaspekte kooperiert hier mit verschiedenen anderen Bildungsinstitutionen. Dazu gehört die Stadt Dortmund mit ihren Schulen und Kitas, die Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur (jugendstil.nrw) sowie die Universitätsbibliothek und die Stadtbibliothek der Stadt Dortmund. Auch das Archiv (Wuppertal) und die Medienberatung NRW sind eingebunden.

 

Als Teil ihres Studiums und durch ergänzende Veranstaltungen und Praxisteile vertiefen die Studierenden studienbegleitend ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in der Leseförderung und Organisation von Literaturevents sowie in Aspekten des Qualitätsmanagements.

Das Zusatzzertifikat soll als niederschwelliges Qualifikationsangebot die Studierenden bei Bewerbungen ausweisen als PädagogInnen, die sich besonders intensiv den Fragen der Leseförderung junger Menschen gewidmet und dazu Praxiserfahrungen gesammelt haben.

 

Die Leistungsnachweise orientieren sich an den normalen Nachweisen/CP der Seminarveranstaltungen. Außerhalb der Studien- und Prüfungsordnung ergänzt ein Praktikumsteil mit Evaluation als schriftliche Hausarbeit den normalen Workload.Der Umfang des Zertifikats von 25 CP begründet sich mit den begleitenden Kompetenzen und Kreditierenden im Rahmen des normalen Germanistik/Lehramtsstudiums. Die dort erworbenen Inhalte sind nur zusätzlich zum Regelstudium gültig. Es genügt nicht, ausschließlich die Zertifikatsveranstaltungen zu absolvieren.

Das Zertifikat Inklusion - Theaterpädagogik - Digitale Medien

Ab Wintersemester 2018 plant das Institut für deutsche Sprache und Literatur einen weiteren Zertifikatsstudiengang. Drei Bereiche bedürfen in der aktuellen Lehrer*innenausbildung eines besonderen Fokus: Inklusion und digitale Medien als Meta-Theorien, die im Kontext der Lehrerprofessionalisierung häufig aus der bewussten Reflexion ausgeblendet werden. Es genügt hier nicht, lediglich auf praxeologischem Niveau die Übung bestimmter Medientechniken zu forcieren oder standardmäßige Differenzierungen zu erlernen. Individualisierung und Mediatisierung als Meta-Theorien können kognitiv Verständnis für die Veränderung bisheriger Unterrichtspraxen liefern und damit auf vorhandene Einstellungen wirken.

Gemeinsam mit gelingender Praxis kann so – das jedenfalls wäre die Forschungshypothese für dieses Angebot, das mit dem Design Based Research-Ansatz evaluiert und modifiziert werden soll - längerfristig Lehrverhalten beeinflusst werden.

 

Als Bindeglied zwischen Kognition und Haltung fungiert spielerische Praxis: Wie aus der Vorurteilsforschung bekannt, wirkt Darstellendes Spiel positiv auf die Einstellungsbildung. Im „Als-Ob“ des Spiels können gefahrlos Ängste und Unsicherheiten ausagiert und in der Gruppe gemeinsam reflektiert werden. Auch stellt das Darstellende Spiel selbst Hintergrund für moderne analoge und auch digitale Medienpraxen (YouTube) und bietet ideale Settings für inklusive Arbeit in Schulen, weil hier mit anderen als schrifttextlichen Symbolisierungen gearbeitet wird.

Außerdem ist Spiel derzeit als neues Lehrparadigma in der Diskussion: Neurophysiologisch sind spielerisch erzielte Lernprozesse positiv gratifiziert und damit nachhaltiger memorierbar als rein behaviouristisch gelernte. Insofern stellt die Theaterpädagogik hier Inhalt und Medialität gleichermaßen dar – genauso, wie digitale Medien und Inklusion.

 

Im Hinblick auf eine Lehrerausbildung, in der grundlegende inhaltliche wie methodisch-praktische Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen in kurzer Zeit erworben werden müssen, ist die Verzahnung verschiedener Lernbereiche quer zur modularisierten Studienstruktur sinnvoll, um Studierenden Orientierung zu bieten und Wissenbestände und Verhaltensprozesse nachhaltiger entwickeln zu können. Inklusion und Medien sind noch dazu Bereiche, die per se Querschnittskompetenzen für alle Fächer darstellen. - Nähere Informationen folgen -

 

(c) Gudrun Marci-Boehncke 2018

Weitere Informationen zum Zertifikat und dem Angebot des Bundes-verbands Leseförderung e.V. erhalten Sie unter diesem Link.

(http://www.bundesverband-lesefoerderung.de/lese-und-literaturpaedagogik/curriculum-module/)